Fünf Jahre auf Twitter: Thank you @Jack!

Veröffentlicht am 5. April 2012 Keine Kommentare

Mein erster TweetIn diesen Tagen nähert sich mein 5jähriger Geburtstag auf Twitter. Der Microblogging-Dienst ist selbst erst 6 Jahre alt. Laut Twitter habe ich am 28. März 2007 meinen Account angelegt. Meinen ersten (viel sagenden) Tweet habe ich am 19. April 2007 abgeschickt. Damals haben wir Twitter auch noch über SMS genutzt. Mittlerweile habe ich 10.000 Tweets abgeschickt. Ich nutze mal die Gelegenheit, um Twitter-Gründer Jack Dorsey für seinen wunderbaren Dienst „Danke“ zu sagen und die Zeit Revue passieren zu lassen.

Twitter ist eine Nachrichtendrehscheibe geworden
In den letzten fünf Jahren hat sich viel getan, nicht nur bei Twitter selbst. Auch wenn es nicht die Entwicklung wie Facebook hinter sich hat, ist Twitter längst ebenso aus der Nerd-Nische raus und im Mainstream angekommen. Dabei sind die beiden Netzwerke kaum zu vergleichen. Twitter ist eher eine Nachrichtendrehscheibe, Facebook die Mutter aller sozialen Netzwerke. Mit Twitter hat sich die Informationsverteilung geändert. Über viele wichtige (und auch schlimme) Ereignisse erfährt man heute meist zu erst über Twitter und das zum Teil sogar aus erster Hand. Ich erinnere mich an Flugzeugabstürze, Naturkatastrophen, Amok-Läufe, aber auch an Wahlergebnisse von Bundespräsidenten. Man stelle sich vor, 2001 hätte es Twitter schon gegeben. Twitter ist Teil des Bürgerjournalismus geworden.

Twitter hat auch dafür gesorgt, dass es andere Quellen für Informationen gibt. Der Reputationseffekt von Twitter sorgt dafür, dass „prominente“ Accounts zu einer viel beachteten Infoschleuder werden. Während die Aufmerksamkeit in der analogen Welt fast komplett auf die klassischen Medien entfiel, haben sich hier neue Eliten heraus gebildet. Zum Teil nur in einer thematischen Nische, zum Teil aber auch über Themengrenzen hinweg. Wenn man diesen Accounts folgt, ist Twitter eine unerschöpfliche Informationsquelle.

Das ist auch der größte Nutzen für mich. Seitdem ich Twitter nutze, bin ich deutlich tiefer in vielen Themen drin. Nicht nur beruflich, also in Marketing- und Internet-Themen, sondern insbesondere auch politisch. Hier merke ich immer wieder, dass mir mein Twitter-Netzwerk Artikel in die Timeline spült, die meinen Horizont deutlich erweitern. Allerdings ist die Einstiegshürde von Twitter schon recht hoch. Man braucht schon gute Filter, um die relevanten Informationen zu finden. Irgendwann hat Twitter dafür Listen eingeführt, damit kann man die User thematisch eingruppieren. Diese habe ich über Flipboard abonniert und habe dadurch quasi meine eigenen Tages- oder Fachzeitschriften auf dem iPad. Was in „meiner“ digitalen Tageszeitung steht, taucht häufig erst Tage später in den Totholz-Zeitungen auf. Dies ist eine wunderbare Ergänzung.

Twitter hat mein Netzwerk erweitert
Aber nichtsdestotrotz ist Twitter ein „soziales Medium“. Es geht um den persönlichen Austausch zwischen Menschen. Die stärke der losen Verbindungen und die einfache Kontaktaufnahme macht es möglich, dass man über Twitter sein Netzwerk enorm schnell erweitern kann. Seitdem ich Twitter nutze, habe ich noch nie so viel neue interessante Menschen kennengelernt. Und das nicht nur Online, sondern auch Offline. Denn über Twitter wird man immer wieder auf spannende Veranstaltungen aufmerksam gemacht, z. B. die legendären Twittnites von Cem Basman hier in Hamburg. Irgendwann bei 500 Followern habe ich mal eine Liste angelegt, wen ich alles persönlich getroffen habe und die Liste umfasste über 200 Personen.

Die soziale Komponente merkt man auch bei den „Lagerfeuer-Events“. Zum ersten mal richtig gemerkt habe ich das 2008 bei der Fußball-EM. Es hat einfach Spaß gemacht, die Twitter-Kommentare zu den Spielen live zu verfolgen. 2010 bei der WM hat Twitter sogar extra Features eingebaut. Um das Hashtag #nurderHSV hat sich eine richtige kleine Community gebildet. Aber auch jeden Sonntag beim Tatort oder auch bei anderen Live-Events sorgt Twitter für gute Unterhaltung.

Twitter ist eine politische Arena geworden
Von der Politik werden ja gerne mal Sachen so lange ignoriert, bis keine Zeit mehr bleibt, sie auszuprobieren. Bei Twitter hält sich dies die Waage. Angefeuert von der Twitter-Nutzung Barack Obamas im Präsidentschaftswahlkampf war Twitter das Buzzword des ersten Politcamps 2009. Kunststück… Wir haben das ganze Event ja quasi über Twitter organisiert. Schnell haben erste Spitzenpolitiker das neue Medium genutzt. Einige sind dabei geblieben, andere reaktivieren ihre Accounts nur in Wahlkämpfen und andere sind wieder ganz verschwunden. Die Medien verfolgen sehr aufmerksam, was einzelne Spitzenpolitiker auf Twitter schreiben und den einen oder anderen Scoop gab es deshalb auch schon.

Ob durch den arabischen Frühling, Occupy oder in Deutschland durch das Aufkommen der Piratenpartei sind die sozialen Netzwerke insgesamt eh viel politischer geworden. Bei jeder Wahlsendung werden Twitter-Kommentare eingeblendet, im Frühstücksfernsehen gibt es eine eigene Netz-Rubrik, Zeitungen haben eigene Twitter-Kolumnen und selbst die Bundeskanzlerin lässt über den Regierungsprecher twittern.

Für mich als nicht ganz so prominenten Politiker ist Twitter ideal, um meine kleinen Themen zu transportieren und mich mit meiner Meinung bei größeren Themen in die Diskussion einzuschalten. Deshalb halte ich auch Twitter gerade auch für Politiker der hinteren Reihen ideal geeignet für das Personal Branding und das Agenda Setting.

Twitter in der Hamburgischen Bürgerschaft
Seit der letzten Legislaturperiode sind in der Hamburgischen Bürgerschaft in allen Fraktionen aktive Twitterati vorhanden. Carola Veit hat bereits in der letzten Legislaturperiode getwittert. Sie dürfte die erste twitternde Landtagspräsidentin sein. Kein Wunder, dass da die Bürgerschaft als Institution selbst twittert. Durch die aktiven Abgeordneten erhält man aus jeder Bürgerschaftssitzung und aus zahlreichen Ausschüssen Nachrichten und kann so das geschehen gut verfolgen. Informell haben wir uns auf das Hashtag #hhbue verständigt. Hier kommt es auch immer wieder zu Diskussionen mit den Nutzern des Live-Streams.

Die Medien und Blogger wie der „Hamburger Wahlbeobachter“ verfolgen das Geschehen und liefern Statistiken über die Nutzung oder machen auch mal aus einem Tweet eine Schlagzeile. Die Beobachtung offenbart aber auch, dass einige Twitter nur als weiteren Kanal für die Verbreitung von Pressemitteilungen verstehen. Dahin ging auch meine Kritik, dass Charts nichts über die Qualität der Diskussion aussagen. Andere wiederum ignorieren den gesamten gesellschaftlichen Wandel durch die Digitalisierung und tun Social Media als Spielerei ab. Es zeigt sich, dass auch im Jahr 2012 noch viel Lernbedarf vorhanden ist.

Vom Sturm im Wasserglas zum Shitstorm
Ebenso nervt, dass häufig aus jedem Sturm im Wasserglas gleich ein sogenannter „Shitstorm“ gemacht wird und die Leute sich gegenseitig hochschaukeln. Wer (häufig zu Recht) mehr Teilhabe und Transparenz einfordert, sollte andere Argumente auch als das zur Kenntnis nehmen, was sie sind: Ausdruck der eigenen Überzeugung zu diesem Zeitpunkt. Sie sind aber kein Grund für persönliche und zum Teil auch verletzende Angriffe. Und wer nach intensiven Debatten aufgrund besserer Argumente seine Position überdenkt und diese eventuell sogar revidiert, hat Respekt verdient. Viele SPDler haben das bei der Netzsperren-Debatte erlebt. Selbst diejenigen, die immer dagegen waren, werden heute immer noch mit alten, längst revidierten Positionen konfrontiert. Manch aggressive Entgleisung sorgt dafür, dass es immer noch viele Vorbehalte gegenüber dem politischen Diskurs im Netz gibt. Think of it!

Wie geht’s weiter?
Zukunftsprognosen sind ja immer beliebt. Twitter hat einen schwierigen Stand. Das Netzwerk fühlt sich erstmal sperrig an und Platzhirsch Facebook legt ein Tempo vor – sowohl bei den Nutzerzahlen, als auch bei neuen Innovationen – mit dem Twitter anscheinend nicht mithalten kann. Eine richtige Strategie ist nicht erkennbar. Auch wenn alles auf dem Tisch liegt: eine offene Plattform, ordentliche Nutzerzahlen und vor allem viele überzeugte Anhänger. Scheint Twitter immer mehr zu einem Feature degradiert zu werden. Man kann Inhalte aus anderen Plattformen hineinlaufen lassen und Inhalte an andere Dienste übergeben, aber anders als Facebook ist es nicht der zentrale Anlaufpunkt für die Internetnutzung geworden. Ich finde das schade, denn ich nutze Twitter nach wie vor viel lieber als Facebook. Facebook ist eher so „da muss man ja dabei sein“.

Trotzdem, auch wenn die Twitter-Zentrale nun nicht nach Hamburg, sondern in die Hauptstadt ziehen wird, sage ich einfach mal: „Thank You, Jack Dorsey!“

In diesem Sinne: Follow me on Twitter 😉

Kategorie : Politik
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