Uns geht’s besser, wenn alle online sind

Veröffentlicht am 20. August 2010 Keine Kommentare

Im Frühjahr 2010 nutzten 49,0 Millionen Menschen ab 14 Jahren wenigstens gelegentlich das Internet, dies entspricht einem Anteil von 69,4 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr sind damit 5,5 Millionen Nutzer neu hinzugekommen. 76 Prozent der deutschen Onliner sind täglich im Netz. Damit ist die Reichweite des Internets inzwischen fast vergleichbar mit der des Fernsehens. Dies sind die neuesten Zahlen der ARD/ZDF-Onlinestudie 2010.

Mehr als 2/3 der Deutschen bewegen sich mehr oder weniger regelmäßig im Internet. Trotzdem wundert man sich angesichts der aktuellen Diskussion um Google Street View ein wenig über den Kenntnisstand vieler Menschen, vor allem aus der Politik und Journalismus, über das was z. B. Dienste wie Google Street View tatsächlich machen. Es offenbart, dass hier noch viel Arbeit in Sachen Medienkompetenzvermittlung notwendig ist.

Es ist schade, wie die Diskussion geführt wird. Leider scheint es in Deutschland nicht möglich zu sein, unaufgeregt über die Chancen und Risiken neuer Angebote zu diskutieren. Stattdessen wird erst mal in Bausch und Bogen abgelehnt. Leider wird mit dieser Ablehnung auch Deutschlands Zukunftsfähigkeit in einem wichtigen Bereich aufs Spiel gesetzt.

Dass es auch anders geht, zeigen gerade die Engländer. Mit raceonline2012.org gibt es dort eine Initiative, die bis zu den Olympischen Spielen 2012 in London alle Briten online bringen will. Damit wäre das Vereinigte Königreich das erste Land der Erde, in dem alle Bürgerinnen und Bürger das Internet nutzen können. Die Aussage hinter diesem Projekt: Uns geht es allen besser, wenn wir alle online sind. Dafür wurde ein Public-Private-Partnership Programm ins Leben gerufen, dass die bisherigen Offliner ans Internet heranführen soll.

Auch wenn in England die Durchdringung der Online-Nutzung höher ist als in Deutschland, gibt es dort auch einen „Digital Divide“. Es gibt 10 Mio Engländer, die noch nie Online waren. 39% davon sind über 65 Jahre alt, 38% arbeitslos und 19% Familien mit Kindern. Die britische Regierung hat erkannt, dass dieser Personenkreis immer mehr von der restlichen Gesellschaft abgehängt wird. Denn immer mehr Angebote von Unternehmen und Verwaltungen können nur noch online erreicht werden.

Es wäre erfreulich, wenn es auch in Deutschland ein klares Bekenntnis in dieser Art gäbe. Auch hierzulande ist ein Mentalitätswandel notwendig. Weg von einer Haltung, die die Menschen davon abhält das Internet zu nutzen, hin zu einer Befähigung der Menschen, sich selbstbestimmt auf den digitalen Pfaden zu bewegen. Es ist eine soziale und moralische Verpflichtung, dass alle Menschen einen Zugang zum Internet haben und die Kompetenz haben, diesen auch sinnvoll nutzen zu können. Auch uns in Deutschland würde es besser gehen, wenn wir alle online wären. Deshalb wäre es gut, gäbe es mehr solcher Initiativen, bei denen die „Digitial Natives“ ihre Kompetenzen weitergeben können.

Kategorie : Allgemein,Politik
  • twitter
  • facebook
  • linkedin
  • delicious
  • digg

Hinterlassen Sie einen Kommentar