Frisch gelesen: Nick Hornby, Juliet, Naked

Veröffentlicht am 21. Februar 2010 Keine Kommentare

Hornby, Juliet, NakedEndlich ein neuer Hornby! Mit „Juliet, Naked“ findet Nick Hornby zu alten Wurzeln zurück. 15 Jahre nach High Fidelity geht es endlich mal wieder um die Dinge, über die Hornby am besten schreiben kann: Musik, festgefahrene Beziehungen, Nerds und die Frauen, die mit diesen Nerds irgendwie zurechtkommen müssen.

In „Juliet, Naked“ trifft der alternde Singer/Songwriter Tucker Crowe, der nur noch einer kleinen Internet-Community etwas sagt, auf eine junge Frau, der diese Welt völlig fremd ist. Von Musik hat Annie keine Ahnung. Glaubt zumindest Duncan, als er ihre Rezension des neuen Crowe-Albums liest. Er hatte es zunächst sehr positiv besprochen, während sie es zerissen hat. Aber Crowe antwortet ihr, nicht ihm. Per E-Mail. Es kommt, wie es kommen muss. Die Beziehung zwischen Annie und Duncan zerbricht. Crowe und Annie kommen sich näher, zunächst virtuell und schließlich auch Offline. Annie lernt die Welt des Tucker Crowe, Vater von fünf Kindern vierer Frauen, kennen und kommt hinter das Geheimnis seines musikalischen Vermächtnis und seines plötzlichen Verschwindens von Bühne.

Der Abgesang auf die Fan-Kultur und die Entzauberung eines Idols verpackt Hornby in eine Sprache, die den Leser regelmäßig zum Schmunzeln bringt. Es ist der alternde Rockstar, der in der modernen Welt der E-Mails, iPods und Internet-Foren wie ein Fremdkörper wirkt. Aber genau diese Welt kommt ohne diesen Bezugspunkt der Mitt-40er zu ihrer Jugend nicht aus. Die Parallelen zu „High Fidelity“ sind unübersehbar. Die Figuren sind einfach älter geworden, schlagen sich jetzt mit anderen Problemen herum als früher und hadern mit ihrem Leben. Ging es bei „High Fidelity“ um die Furcht vor dem nächsten Schritt, geht es bei „Juliet, Naked“ um die Rückschau auf diesen Schritt und die Frage, ob man auch in diesem Alter nochmal neu anfangen kann.

Durch das Abwechseln der erzählenden Person bekommt man die Möglichkeit jede der Perspektiven zu verstehen und kann sich so sehr gut in Annie, Duncan und Tucker hineinversetzen. Hornby schreibt mit einer guten Mischung aus Witz und Tiefsinn gepaart mit einer ausgewogenen Portion Traurigkeit. Trotzdem sprang bei mir der Funke nicht so über, wie damals bei High Fidelity oder zuletzt bei Slam. Wahrscheinlich liegt es einfach daran, dass ich noch nicht Jenseits der 40 bin… Werde das Buch in ein paar Jahren nochmal hervorkramen. In meiner Hornby-Liste kommt es hinter Slam auf Platz 5.

Kategorie : Allgemein
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