Apples iPad-Lehrstunde

Veröffentlicht am 29. Januar 2010 3 Kommentare

Auch zwei Tage nach Apples Präsentation des iPads laufen die Diskussionen, ob das Gerät jetzt was taugt oder nicht und welche Veränderungen das neueste Produkt aus Steve Jobs Obstladen für die Welt bedeuten.

Beim Überfliegen der zahlreichen Artikel und Blogbeiträge zeigen sich viele wegen fehlender Funktionen oder Gimmicks enttäuscht. Keine Kamera, kein Multitasking, kein HDMI-Port. (selbsternannte) Medienexperten stellen es nur als einen farbigen Kindle dar.

Sie haben Recht und liegen doch falsch. Klar fehlen dem iPad eigentlich erwartete Features. So what, immerhin kann es Copy & Paste. Und klar, der Kindle sieht gegen das iPad aus, wie ein Gameboy aus den 90er Jahren gegen eine Sony PSP. Aber das ist nicht das Thema. Wie ich schon sagte, beide haben Recht – und Unrecht.

In den nächsten 60 Tagen wird Apple die Kanäle aus allen Rohren bombardieren und den Leuten erklären, was man alles mit dem iPad machen kann. Dabei wird es wenig um technische Details oder irgendwelche iPad-Funktionen gehen. Nur um Dinge, die man damit anstellen kann. Ausser der Speicherkapazität, Größe und die Batterielaufzeit hat Steve Jobs in seiner Keynote kaum technische Details genannt. Das war auch nicht sein Thema. Er wollte begeistern und nicht belehren.

Wer ein iPad kauft, wird es zu 90% der Zeit für eine handvoll Dinge nutzen, die er lieber in Bewegung oder an Orten tut, an denen er sich gerne aufhält (z. B. auf dem Sofa), anstatt steif sitzend vor einem Computer am Tisch. Man wird sich ein iPad kaufen, auch wenn man bereits ein iPhone besitzt, weil man lieber Filme oder Bücher auf dem 9 1 / 2 Zoll-Bildschirm statt auf dem iPhone-Mäusekino anschauen möchte. Auch wenn man ein Notebook oder ein Netbook hat, ist ein iPad für viele Dinge praktischer.

Steve Jobs hat verstanden, dass es eben nicht darum geht, welche Funktionen etwas hat oder nicht. Ihn interessiert nicht, welche fehlende Features jemanden daran hindern, etwas zu tun. Ihm geht es darum, was die anderen Funktionen ermöglichen.

Das ist alles. So einfach ist das. Eine andere Perspektive. Und das macht Steve Jobs und die Marke Apple so erfolgreich. Wieder mal eine Lehrstunde.

Kategorie : Marketing
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3 Kommentare zu “Apples iPad-Lehrstunde”

  1. Ralph sagt:

    Da kann ich dir nur voll zustimmen. Ich schüttele nur noch den Kopf über Leute denen beim iPad als erstes einfällt “kann der Multitasking?” oder “die Tastatur ist aber schlecht”.
    Hier ist übrigens ein weiterer interessanter Artikel über das Thema

    http://netzwertig.com/2010/01/28/high-tech-marketing-warum-apple-in-einer-anderen-liga-spielt/

  2. miinaaa sagt:

    Aber warum auf dem Sofa auf dem iPad Filme gucken wenn da auch der große Fernseher steht? Warum das iPad irgendwo mit hin nehmen wenn es so unhandlich ist? Warum sich mit dem iPad ins Bett legen und darauf lesen, wenn man das mit nem Buch viel bequemer kann?

    Ich weiß nicht, entweder ich bin zu altmodisch oder mir erschließt sich der Mehrwert immer noch nicht.

  3. Das ist halt ein in Hardware gegossener Webbrowser und ein geniales Medienkonsumgerät. Es gab schon mehrere Versuche, ähnliche Geräte auf dem Markt zu platzieren. Ich glaub, diesmal ist die Zeit reif.

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