Tolomeo im Opernloft

Veröffentlicht am 27. November 2009 Keine Kommentare

Gestern hatte ich das Vergnügen eine Vorstellung im Opernloft besuchen zu dürfen. Das Opernloft bezeichnet sich selbst als Opernhaus für Kinder, Jugendliche und Operneinsteiger. Hier wird versucht den Einstieg in das „verstaubte“ Genre Oper zu erleichtern. Wer jetzt glaubt, dass es sich hierbei um künstlerisch wenig anspruchsvolles Amateurtheater handelt, der irrt. Das Team um Susann Oberacker, Yvonne Bernbom und Inken Rahardt bietet jungen ausgebildeten Sängern eine Chance, auf der Bühne zu stehen. Mit dem eigenen Format Operabreve schafft das Opernloft die Meisterwerke von Bizet bis Wagner in 90 Minuten zu präsentieren. Die Opern werden bei dabei nicht komplett gespielt, sondern auf ihre Höhepunkte konzentriert. Gesungen wird in der jeweiligen Originalsprache (mit deutschen Übertiteln). Gesprochen wird deutsch. Zusätzlich wird nicht nur die Handlung der jeweiligen Oper erklärt, sondern auch Wissenswertes über den Komponisten und die Entstehungsgeschichte der Oper erzählt.

Händels Oper Tolomeo ist der Beitrag des Opernlofts zum Händel-Jahr 2009. Die Geschichte ist schnell erzählt: Tolomeo und Alessandro sind zwei ungleiche Brüder. Der eine malt Bilder, der andere macht Geschäfte. Beide kämpfen um die Anerkennung ihrer Mutter und lieben mit Seleuce die selbe Frau. Zusätzlich verdreht die Künstlerin Elisa den beiden die Köpfe. Eigentlich vertonte Händel die Geschichte einer ägyptischen Herrscherfamilie. Das Opernloft macht daraus eine moderne Geschichte und schickt die vier Darsteller mit Farbtuben auf die Bühne. Die vier malen nicht nur tolle Bilder mit ihren Stimmen und der Musik, sondern feiern eine regelrechte Farborgie. Nur in Unterwäsche bekleidet „sauen“ sich die Künstler dabei so richtig ein und auf der Bühne entsteht ein riesiges Gemälde auf dem die Darsteller ihre jeweiligen Emotionen und Handlungen ausdrücken.

In Händels Original sangen ausschließlich Kastraten und Frauen. Im Opernloft singt Mezzospranistin Soomi Hong den Tolomeo und Countertenor Armin Stein den Alessandro. Hinzu gesellen sich die Sopranistinnen Lisa Jackson als Elisa und Lotta Hultmark als Seleuce. Alle vier gehen auf der Bühne an ihre Grenzen und liefern eine tolle Vorstellung, sowohl gesanglich als auch darstellerisch.

Ich kann eine Vorstellung im Opernloft nur jedem mal ans Herz legen. Aber Beeilung! Im Sommer soll in der Conventstraße Schluß sein. Aber dies bedeutet (zum Glück) nicht das Ende des Opernlofts. Ein Umzug in die Innenstadt ist geplant. Aber hierfür müssen noch ein paar Hürden aus dem Weg geräumt werden. Auch wenn der Verbleib des Opernlofts langfristig gesichert ist, muss der Senat dem Träger Arbeit und Lernen die notwendigen Stellen für den Umbau der neuen Räumlichkeiten bewilligen. Wenn dies nicht bald geschieht, dann gerät der ganze Zeitplan in Gefahr. Nur durch die Kooperation mit Arbeit und Lernen ist der Umbau für das Opernloft finanziell darstellbar. Ich hoffe, dass es hier bald ein positives Signal von Seiten der Fachbehörden gibt.

Kategorie : Allgemein
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