Obamas Wahlkampf auf der Zielgeraden

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electionnight.pngNur noch wenige Stunden bleiben dem Team um Obama, um endgültig am Ziel anzukommen. Bereits jetzt wird der Obama-Wahlkampf als herausragendes Beispiel für eine innovative und von A bis Z perfekt durchorganisierte Kampagne in die Geschichte eingehen.
Besonders der hohe Grad an Mobilisierung, den Barack Obamas Kampagne im Internet erzeugen konnte stechen als großes Alleinstellungsmerkmal heraus. Ein Umstand, der umso wichtiger ist, wenn man bedenkt , dass es in den USA eigentlich keine Parteiapparate gibt und dass Präsidentschaftswahlkämpfe in Wirklichkeit nichts anderes sind als riesige Mobilisierungskampagnen. Obamas Online-Kampagne konnte in diesem Wahlkampf über 1.4 Millionen E-Mail-Adressen einsammeln und über 1 Millionen Useraccounts wurden auf my.barackobama.com generiert. Es wurden über 75.000 Kampagnen-Events promotet und vor allem über 250 Mio US-Dollar an Spenden eingesammelt. Obama ist es wie keinem anderen Kandidaten vor ihm gelungen, die Kraft des Internets für sich und seine Kampagne zu nutzen. Neben seiner zentralen Botschaft des Wandels und der erfolgreichen Platzierung als glaubwürdiger und vertrauensvoller Politiker, hat aus meiner Sicht insbesondere der Umgang mit den neuen Medien den Unterschied gemacht.
mybarackobama.pngHier wurden nicht nur einfach Nachrichten ins Internet geblasen oder ein paar nette Profile auf den diversen Social Networking-Plattformen erstellt. Vielmehr stand hinter all dem eine zentrale Strategie: „Engage, build, take action“. Im Vordergrund stand überwiegend der Dialog und das Gespräch, dadurch wurde eine stabile Beziehung zu den Unterstützern aufgebaut und diese diente schlussendlich der Mobilisierung. Die Kampagne diente als große Klammer und jeder Einzelne hatte das Gefühl der Teilhabe am „Gesamtkunstwerk“. Wer mehr über den Online-Wahlkampf wissen möchte, findet bei dem ausführenden Unternehmen bluestatedigital eine interessante Case Study.
Vor dem Hintergrund der anstehenden Bundestagswahl stellt sich nun die Frage, was sich vom US-Wahlkampf auf deutsche Verhältnisse übertragen läßt. Politik-Digital.de meint, man dürfe nicht einfach den Obama machen und liefert zehn Thesen warum sich Obamas Erfolg nicht einfach so kopieren lässt. Von den Thesen würde ich aber allenfalls die Thesen 1, 5, 7, 9 und 10 stehen lassen. Wobei ich in letzter Zeit wahrnehme, dass gerade bei erster und letzter These zur Zeit ein Meinungswechsel (auch getrieben durch einen Generationswechsel) stattfindet. Aus deutscher Sicht sollte es zunächst um die Mobilisierung der eigenen Parteimitglieder gehen. Trotz sinkender Mitgliederzahlen stellen z. B. bei der SPD über eine halbe Million Mitglieder ein großes Potenzial an Wahlkämpfern dar. Gerade die Jüngeren haben auch keine Probleme den Wahlkampf ins Internet zu tragen.
Egal wie nun die US-Wahl ausgeht, ich bin überzeugt, wir werden viele der Elemente im Bundestagswahlkampf wieder sehen. Ich würde mir wünschen, dass nicht nur einfach kopiert wird, sondern intelligent adaptiert wird.
[via reichelS.Org: Do it like Obama did?]

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