Eine aktuelle Studie zum politischen Web 2.0

Veröffentlicht am 2. Juli 2008 Ein Kommentar

Auf Netzpolitik.org wird das Ergebnis einer Kurzstudie zur Nutzung des Web 2.0 durch die deutschen Parteien und „Spitzenpolitiker“ vorgestellt. Der Schwerpunkt wird dabei auf die Nutzung der bekannten SocialMedia-Dienste gesetzt und in der Tat sieht es dort recht mau aus. Ich teile ein stückweit das Fazit, dass von strategischer Ausrichtung in Hinblick auf die kommende Bundestagswahl bislang wenig zu spüren ist. Das solche Studien aber häufig die Dinge nur oberflächlich betrachten, hatte ich schon an anderer Stelle angemerkt.

Die mangelhafte Nutzung der Social Networks kann nämlich andererseits auch darin begründet sein, dass die großen deutschen Angebote für eine Parteienkampagne kaum nutzbar sind. Die Gruppen von StudiVZ sind selten als ernsthafte Austauschplattform genutzt, sondern dienen zum „Schmücken“ des eigenen Profils. Bei XING dürfen laut AGB gar keine politischen Gruppen eröffnet werden, insofern ist die Studie an dieser Stelle auch schlecht recherchiert. Bei anderen Diensten, wie z. B. wer-kennt-wen.de, sieht es ähnlich aus. Insofern ist der Schritt der SPD eine eigene Plattform mit meineSPD.net aufzubauen ein stückweit nachvollziehbar. Hier können auch Nicht-Mitglieder beitreten. Um so erstaunlicher, dass diese in der Studie keinerlei Berücksichtigung findet. Das der Autor Falk Lüke in einem der Kommentare zur Begründung behauptet, „meineSPD.net würde nicht mit dem sonstigen Web interagieren“ ist gelinde gesagt quatsch. Die Blogs bieten die gleichen Funktionen, wie alle anderen Systeme auch.

In der Studie werden auch die Aktivitäten bei Youtube untersucht. Bei Youtube.com findet man jede Menge Polit-Channels. Ausser von der SPD und den Grünen kommen von der Bundesebene einzig Angebote der Bundestagsfraktionen. Dies ist nicht nur unter Gesichtspunkten der Parteienfinanzierung, sondern auch aus Wahlkampfgründen ein kleiner aber feiner Unterschied. Fraktionen dürfen nur informieren und keinen Wahlkampf machen.

Das Twitter bisher kaum von der Politik genutzt wird, ist angesicht des Nischendaseins kaum wunderlich. Ich selber denke aber, dass gerade mit Twitter für die politische Kommunikation ein riesiges Potenzial ungenutzt bleibt. Aber wartens wir ab. Zur Bundestagswahl werden die Twitter-Accounts wie Pilze aus dem Boden sprießen.

Bleiben die Weblogs. Alle Parteien nutzen sie, irgendwie… Die Bundespolitik, Bundesparteien und Fraktionen hinken aber der Zeit meilenweit hinterher. Schade, dass die Studie die Web 2.0-Aktivitäten nur aus der bundespolitischen Brille betrachtet. Es gibt soviele gute Beispiele auf Landes- und Kommunaler Ebene. Herausragend ist für mich nachwievor das Blog der NRW-SPD. Auch zahlreiche Politiker der unterschiedlichsten Ebene und Couleur bloggen regelmäßig und vernetzen sich mit anderen Blogs. Korrekt ist aber, dass die Parteien und Spitzenpolitiker zum jetzigen Zeitpunkt im klassischen Wahlkampf verhaftet sind. Wenn ich mir die Kommentare mancher Spitzen der deutschen Politik über das Internet anhöre, wird es wahrscheinlich auch in der derzeitigen Generation niemanden geben, der die Internetkommunikation aus Überzeugung nutzt. Ich befürchte sogar, dass es vielen an Internet-Grundkenntnissen mangelt.

Wie positiv Web 2.0-Aktivitäten im Wahlkampf angenommen werden, habe ich damals im Buch „Weblogs professionell“ von Tim Fischer zu unseren Aktivitäten im Bürgerschaftswahlkampf ’04 beschrieben. Hier wurden das erste Mal in einem Landtagswahlkampf Weblogs von einem Spitzenkandidaten benutzt und die Erfahrungen waren durchweg positiv. Deswegen wünsche ich mir nachwievor, die Parteien würden die Möglichkeiten des Internets besser und vor allem strategischer Nutzen. Vieles wirkt einfach unprofessionell. Das es auch anders geht, zeigt wie so häufig der Blick über den großen Teich.

[via netzpolitik.org: Kurzstudie: Politik im Web 2.0 – Keine Freunde für Kurt Beck]

Kategorie : Marketing,Politik
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Ein Kommentar zu “Eine aktuelle Studie zum politischen Web 2.0”

  1. Christian S. says:

    Das ist richtig, die Studie ist nicht ganz glücklich; ich denke aber, dass man auch die Sozialen Netzwerke als Politiker nutzen kann, besonders natürlich als Spitzenpolitiker im Bund, aber auch auf kommunaler Ebene – warum meinespd.net keine Erwähnung fand, kann ich mir auch nicht erklären.

    Twitter habe ich ja auch erst spät für mich entdeckt, leider, muss ich sagen – irgendwie ist die Idee echt super.

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