Frisch gelesen: Robert Harris, Ghost

Veröffentlicht am 9. Juni 2008 Keine Kommentare

Ein Buch über einen Ghostwriter, der die Biographie des frisch aus dem Amt ausgeschiedenen britischen Ministerpräsidenten überarbeiten soll in dem eben dieser die Wahrheit über den Kampf gegen den Terror auf den Tisch bringen will. Das ich da als politischer Mensch gepackt werde ist klar. Das dies Buch auch von einem der spannendsten Autor historischer Romane geschrieben wurde und ich seine anderen Bücher verschlungen habe, machte die Lektüre für mich zum Selbstgänger.

Premierminister Adam Lang ist aus dem Amt geschieden und hat sogleich einen Millionenvertrag über seine Memoiren erhalten. Einer seiner engsten Berater soll ihm dabei helfen und kommt auf mysteriöse Art und Weise ums Leben. Sein Nachfolger und Ich-Erzähler beschreibt nun, wie er auf Marthas Wineyard der Geschichte hinter Langs Geschichte kommt. Das hier irgendwas nicht stimmt, bemerkt er bereits nach dem ersten Interview. Hier geht es aber um mehr, als die üblichen politischen Intrigen und Ränkespiele. Denn als der ehemalige Außenminister Lang vor den internationalen Gerichtshof für Menschenrechte schleppt, weil dieser die Entführung britischer Staatsbürger durch die CIA gebilligt hat, wird der Ghost tief in die Geschichte hineingezogen. Bei seinen Recherchen braucht er nicht lange am Langschen Lack zu kratzen, um festzustellen, dass hinter der Fassade des charmanten Politikschauspieler ein tiefer Abgrund lauert zu dem seine Frau der Schlüssel ist.

Eigentlich hatte ich ja von Robert Harris erwartet, er würde endlich seine Rom-Trilogie weiterführen. Aber anscheinend ist der Unmut über den von ihm bisher unterstützen Tony Blair so stark angewachsen, dass er mit diesem Buch auch ein stückweit mit Blair abrechnet. Ein Premier als US-Marionette und vielleicht sogar CIA-Verbindungen ist aber eine Beschuldigung, die keiner machen oder wörtlich nehmen kann. Robert Harris versteht es, den Leser von Beginn an in den Bann der Geschichte zu ziehen. Der Roman bleibt spannend bis zu letzt und bietet zahlreiche Anspielungen und Einblicke in die Arbeitsweise eines Ghostwriters (und natürlich in die Politik). Der Roman reicht aber nicht an Imperium ran, denn dazu ist die Geschichte zu konstruiert und die Charaktere bieten zu wenig.

Kategorie : Allgemein
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