Frisch gelesen: Steven Johnson, The Ghost Map

Veröffentlicht am 28. Mai 2008 Keine Kommentare

300px-snow-cholera-map-1.jpgThe Ghost Map beschreibt den Ausbruch der Cholera in London im Jahre 1854. Steven Johnson macht daraus eine Saga des menschlichen Scharfsinns. Das Buch beschreibt, wie im Sturm der Epidemie zwei völlig unterschiedliche Menschen mit nahezu stoischer Ruhe und großer Beobachtungsgabe den Grund für den Cholera-Ausbruch herausfinden und dem Irrglauben, dass der allgegenwärtige Gestank der über dem viktorianischem London wie eine dunkle Wolke hängt Grund für die Krankheitsübertragung ist. Durch persönliche Interviews und großer Ortskenntnis und statistische Erhebungen kommen John Snow und Henry Whitehead dahinter, dass der Cholera-Virus über das Wasser übertragen wird und sorgen am Ende dafür, dass der Schwengel der Wasserpumpe die halb Soho mit Trinkwasser versorgt abgebaut wird. Dadurch kommt die Epidemie zum erliegen. John Snows Theorie wurde jedoch zu seiner Lebenszeit durch die damaligen Wissenschaftler und Ärzte nicht anerkannt und erst einige Jahre nach seinem Tod bestätigt.

Steven Johnson hat dieses Buch wie eine Kriminalgeschichte geschrieben und läßt durch Zeitungszitate und Wortprotokolle die mit Vorurteilen und falschen Annahmen durchsäte Wissenschaftswelt des viktorianischen Englands lebendig werden. Das Buch ist jetzt keine schriftstellerische Offenbarung, aber liest sich doch recht spannend. Johnson benutzt die Geschichte des Cholera Ausbruchs, um immer wieder auf die Herausforderungen der modernen Gesellschaft zurückzukommen. Jeder, der an Stadtentwicklung interessiert ist, findet im Hauptteil und vor allem im Epilog viele interessante Informationen und Gedanken. Der Aufstieg und Fall der historischen Mega-Citys wird genauso beschrieben, wie die Herausforderungen der Energieversorgung und Abfallentsorgung sowie die Bedrohung durch den internationalen Terror für die modernen Großstädte. Und Johnson wäre nicht Johnson, wenn er nicht auch die Verbindung zur Informationsgesellschaft herstellen würde. Was damals die „Ghost Map“ war, mit der Hand gemalte Punkte der Todesfälle auf eine Stadtkarte, sind heute Mash-Ups mit Google Maps in Verbindung mit anderen Informationsquellen. Die heutigen „Ghost Maps“ sind viel einfacher herzustellen und für jedermann zugänglich und werden daher auch schneller Probleme lösen.

Interessantes Buch für Menschen, die sich für Geschichte begeistern können.

Kategorie : Allgemein
  • twitter
  • facebook
  • linkedin
  • delicious
  • digg

Hinterlassen Sie einen Kommentar