Frisch gelesen: Nick Hornby, Slam

Veröffentlicht am 28. März 2008 Keine Kommentare

hornbyslam.jpg Nick Hornby versteht es, wie kaum ein anderer Einblicke in das Leben fast(!) gewöhnlicher Menschen zu geben. Als Leser hat man das Gefühl, man würde die Protagonisten unter dem Mikroskop in einer Petrischale beobachten. Dass es dabei nie langweilig wird, sondern meist sogar sehr amüsant, liegt an Hornbys Können, den alltäglichen Wahnsinn in kurzweilige Zeilen zu fassen.

Jedes seiner Bücher transportiert über die Personen eine andere Lebenskrise. Ob nun das Leben eines Fussballverrückten durch seine Leidenschaft durcheinander gerät, ein alternder Diskjockey die Trennung von seiner Freundin aufarbeitet oder sich depressive Großstädter gegenseitig vom Selbstmord abbringen – immer schafft Nick Hornby es mit seinem schwarzen Humor den Leser zu unterhalten und die Figur nicht völlig lächerlich erscheinen zu lassen. Am Ende haben die Bücher immer eine positive Botschaft.

In seinem neuesten Werk geht es um den Skateboard fahrenden Teenager Sam, der seine Lebensweisheiten aus der Autobiographie von Tony Hawk zieht. Auf einer Party lernt er Alicia kennen und die beiden werden schnell ein Paar. Es kommt, wie es kommen muss, Alicia wird Schwanger und die beiden Teenies bekommen gegen den Willen der Eltern ihr Baby. Besonders stark ist der Kontrast der Eltern. Alicias Eltern sind typische Mittelschichteltern, die nur das beste für ihr Tochter wollen. Sams Mutter hat ihn selber als Teenager bekommen. Sie bringt gegen Ende des Romans auch noch ein zweites Kind auf die Welt, das gleichzeitig Sams Schwester und die (jüngere) Tante von Sams Sohn ist.

Hornby lässt den Verlauf der Dinge durch Sam im Nachhinein erzählen. Tony Hawk lässt Sam wiederholt im Buch über Nacht einen Tag in der Zukunft erleben. Diese amüsanten Reisen zeigen Sam, dass er sein Leben meistern wird. Dadurch entwickelt sich die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven. Das Buch lässt sich locker und leicht lesen und die jugendliche Sprache wirkt halbwegs authentisch. Am Ende zieht Sam in einer Art FAQ sein Fazit, dass es immer eine Zukunft gibt und man aktiv an dieser arbeiten und nicht stehenbleiben darf.

Da ich zu einer Zeit Skateboard gefahren bin, als der Stern von Tony Hawk gerade anfing aufzusteigen und ich ihn nur aus Zeitschriften und Videos kannte und nicht von Konsolenspielen wie die Kids heute, bin ich Hornby dankbar, dass er mich nochmal ein wenig in meine eigene Jugend zurückversetzt hat. Deswegen steigt das Buch auch in meiner Hornby-Liste relativ weit oben ein.

Im Sinne von High Fidelity hier mein aktuelles Hornby-Ranking:

  1. High Fidelity
  2. Fever Pitch
  3. About a Boy
  4. Slam
  5. A Long Way Down
  6. How to be Good
Kategorie : Allgemein
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